Die repräsentative Demokratie kann auf Dauer nur funktionieren, wenn alle Teile der Gesellschaft die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Um das zu ermöglichen, setzen wir in unseren Beteiligungsprojekten auf erprobte Methoden. So erreichen wir die relevanten Zielgruppen und ermöglichen ihnen, sich einzubringen.
Blogartikel | 14.11.2024
Klimawandel, steigende Ungleichheit, weltweite Konflikte und Transformationsprozesse – unsere Gesellschaften stehen vor großen Herausforderungen. Wir alle spüren die Folgen dieser Krisen in unserem Alltag. Und doch gibt es Gruppen, die in besonderem Maße betroffen sind. Die Stimmen dieser vulnerablen Gruppen werden in den öffentlichen Debatten oft nicht gehört. Häufig kommen sie aus sozial oder ökonomisch belasteten Verhältnissen oder haben das Vertrauen in demokratische und politische Prozesse verloren. Immer wieder wird diese Repräsentationslücke als ein Grund für den erstarkenden Populismus und die zunehmende Polarisierung in unserer Gesellschaft genannt.
Die breite Beteiligung aller Gesellschaftsgruppen ist eine Grundbedingung für eine gesunde und starke Demokratie. Daher ist es umso wichtiger, in der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft darüber nachzudenken, wie diese Zielgruppen, die häufig schwer erreichbar sind, besser teilhaben können. Beispiele dieser Gruppen sind Menschen mit Armutserfahrung, geringem Einkommen, unzureichendem Bildungszugang, Migrationsgeschichte oder Behinderung. Aber auch Menschen, die in ländlichen und abgelegenen Gebieten mit nur eingeschränktem Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen leben, sowie junge und ältere Menschen und vom System Enttäuschte finden bisher zu wenig Gehör.
Den Perspektiven und Bedürfnissen benachteiligter Gruppen mehr Gehör zu geben, kann das Vertrauen in politische Institutionen stärken und die Legitimität von Beteiligungsprozessen erhöhen. Eine breite Beteiligung kann außerdem dabei helfen, bessere und innovative Lösungen für gesellschaftliche und politische Probleme zu finden und Konflikte frühzeitig zu antizipieren. Dies gilt auch für die Einbindung im Bereich der Wissenschaft oder im Bereich der Wirtschaft.
Beteiligungsverfahren, bei denen Teilnehmende nach geschichteter Zufallsauswahl ausgewählt werden, binden bereits jetzt viele Menschen ein – auch über den Kreis der üblichen Verdächtigen hinaus. Die zuvor beschriebenen Gruppen sind jedoch auch auf diesem Wege oftmals schwer zu erreichen.
In den vergangenen Jahren hat ifok in unterschiedlichsten Bereichen Erfahrungen dazu gesammelt, wie eine breite Beteiligung über die Zufallsauswahl hinaus gelingen kann: von der Ansprache von und Kommunikation mit der Zielgruppe z. B. bei der Impfkampagne #dranbleibenBW, über die aufsuchende Teilnehmendenrekrutierung, d. h. das Aufsuchen zu Hause, wie zum Beispiel für den Bürgerrat Bremen oder das European Citizens’ Panel on Tackling Hatred in Society bis hin zu spezifischen Methoden und Formaten für die sinnvolle und nachhaltige Einbindung schwer erreichbarer Zielgruppen z. B. im Projekt „Fair Energy Transition for All“ oder bei Beteiligungsworkshops mit Kindern und Familien zur Gesamtstrategie frühe Kindheit in Bremen. Basierend darauf haben wir einen Katalog an Kriterien und Maßnahmen für die nachhaltige Einbindung schwer erreichbarer Zielgruppen entwickelt. Diese haben wir unter anderem im Method Guide basierend auf unseren Erfahrungen im Projekt „Fair Energy Transition for All“ zusammengefasst. In diesem Projekt haben wir in neun Ländern der EU Politikempfehlungen für eine faire Energiewende entwickelt, die von den Bedürfnissen, Wünschen, Ängsten und Erwartungen der am stärksten betroffenen Gruppen ausgehen und diese immer wieder als Grundlage für die konkrete Lösungsentwicklung nehmen. Der Method Guide „ Make the Invisible Visible. How to engage with hard-to-reach citizens for policy development?” gibt einen detaillierten Überblick über den Ansatz, Methoden und Formate sowie Learnings aus diesem Prozess.
Was sind die wichtigsten Strategien, um schwer erreichbare Zielgruppen anzusprechen? Grundsätzlich sollten bei einer breiten Beteiligung immer die folgenden Prinzipien im Fokus stehen:
Zudem sollten die folgenden Fragen vor jedem Prozess beantwortet werden, der eine breite Beteiligung anstrebt:
Sie möchten mit Ihrem Beteiligungsprozess mehr Menschen oder ganz bestimmte Zielgruppen besser erreichen? Wir unterstützen Sie gerne mit unserer Expertise:
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carolin.piras@ifok.de