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Baudialog beim SuedOstLink: Was wir im Alltag eines Großprojekts lernen

Unterwegs entlang der SuedOstLink-Trasse: Bürgerreferentin Sandra Spielbrink und ihre ifok-Kolleginnen und -Kollegen aus dem Grid-Team bei der gemeinsamen Begehung (November 2025).

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Der erste Kaffee dampft auf dem Schreibtisch, als das Telefon klingelt. Eine Bürgerin meldet sich – mit Fragen zum Trassenverlauf, zu Bauzeiten, zu dem, was bald in ihrer unmittelbaren Nähe passieren wird. Während draußen die ersten Maschinen anlaufen, ist der Dialog schon längst in vollem Gange. Aufbauend auf eine glaubwürdige Kommunikation während Planung und Genehmigung entscheidet sich in dieser Phase, ob ein Infrastrukturprojekt akzeptiert wird oder nicht.

Warum die Bauphase ein entscheidender Moment für Dialog ist

Im Bau wird ein Infrastrukturprojekt konkret – und die Betroffenheit am größten: Wege ändern sich, Lärm entsteht, Abläufe im Alltag geraten durcheinander. Kommunikation wird damit operativ und sensibel. Baudialog ist deshalb mehr als Information: Er schafft Orientierung, entschärft Konflikte und baut Vertrauen auf.

Ob das gelingt, hängt von klaren Voraussetzungen ab: einer engen Verzahnung zwischen Kommunikation und dem Bauteam, verlässlichen Abläufen und echter Präsenz vor Ort. Wie diese Faktoren zusammenspielen – und was sich daraus lernen lässt – zeigt eines der größten Gleichstrom‑Leitungsbauprojekte in Deutschland: SuedOstLink. Unsere Kollegin Sandra Spielbrink ist dort für 50Hertz im Einsatz und für die Baukommunikation im Abschnitt A2 zuständig. Dieser verläuft rund 95 Kilometer im Wesentlichen durch Sachsen-Anhalt. Bei ihrer Arbeit geht es ganz klar um Kommunikation. Aber nicht nur mit den Betroffenen. Es geht vor allem auch um Kommunikation nach innen, mit dem Bauteam und mit den ausführenden Auftragnehmern. Welche Aufgaben und Herausforderungen sie an diesen Schnittstellen hat, und warum der persönliche Kontakt zu allen Beteiligten so wichtig ist, erzählt sie im folgenden Interview.

„Rufen Sie mich an – wenn Sie sich vom Lärm oder Staub gestört fühlen“: Baudialog in der Praxis

Sandra, seit wann bist du im Projekt – und worum geht es beim SuedOstLink?

„Ich bin seit rund 16 Monaten im Projekt und betreue den Abschnitt A2. Der SuedOstLink ist eine neue rund 540 Kilometer lange Gleichstromverbindung quer durch Deutschland – eines der großen Netzausbauvorhaben der Energiewende.“

Was hat dich an dem Projekt gereizt?

Mich hat vor allem gereizt, wie zentral der Dialog hier ist. Gerade im ländlichen Raum ist persönlicher Austausch extrem wichtig – oft gibt es wenig Berührungspunkte mit solchen Großprojekten. Da braucht es jemanden vor Ort, der erreichbar ist und sich Zeit nimmt.

Was erleben die Menschen konkret, wenn gebaut wird?

Viele unterschätzen zunächst die Dimensionen. Auf einmal prägen Bagger, Baustraßen und schweres Gerät über Wochen das Bild. Die Baustellen ziehen sich mit 45 Meter breiten Arbeitsstreifen durch die Landschaft. Das greift direkt in den Alltag ein: Wege zur Arbeit oder zur Kita werden länger, gewohnte Abläufe funktionieren plötzlich nicht mehr. Das sind Veränderungen, die die Leute enorm spüren.

Wie gehst du mit den Reaktionen der Menschen um?

Da kommt viel Frust – aber der richtet sich nicht gegen mich. Es geht um die eigene Situation. Um Sorgen, Unsicherheiten und darum, dass sich das tägliche Leben kurzfristig verändert. Deshalb ist Zuhören ein ganz zentraler Teil der Arbeit. Den Menschen Raum geben, ihre Perspektive auszusprechen – und sie ernst nehmen. Das ist oft die Voraussetzung dafür, dass überhaupt ein konstruktives Gespräch zustande kommt.

Was bedeutet das konkret für deine Rolle?

Ich bin die direkte Ansprechperson vor Ort. Mir ist es wichtig, dass die Anrainer ihre Sorgen loswerden können und wissen, an wen sie sich wenden können. Ich kann nicht jeden Störfaktor sofort ändern, aber ich kümmere mich darum und melde mich zurück. Gleichzeitig arbeite ich an der Schnittstelle in beide Richtungen. Ich nehme auf, was die Menschen vor Ort beschäftigt – und trage diese Themen ins Bau‑ und Projektteam hinein. Umgekehrt ist es genauso wichtig, die Bauthemen verständlich zu machen. Viele Abläufe sind technisch oder organisatorisch komplex – meine Aufgabe ist es, das so zu erklären, dass es für die Menschen nachvollziehbar wird.

Kann das bei den engen Bauzeitfenstern überhaupt gelingen?

Ja. Aber das funktioniert nur, wenn der Austausch mit der Bauleitung eng ist. Wir stimmen uns kontinuierlich in wöchentlichen Baubesprechungen ab: Was passiert wann? Wo kann es zu Belastungen kommen? Wo müssen wir frühzeitig informieren oder Gespräche anbieten? Ich gebe zum Beispiel auch Hinweise an die Planung und Ausführung weiter – etwa, wenn es an einer Stelle bereits besonders betroffene Anwohnende gibt. Dann schauen wir gemeinsam: Wie gehen wir da ran? Wen sprechen wir vorher wie an?

Am Ende ist das ein Zusammenspiel: Bau‑ und Projektteam und Baudialog arbeiten Hand in Hand. Nur so kann man frühzeitig antizipieren, reagieren und Situationen gut begleiten.

Woran merkst du, dass der Dialog funktioniert?

Das sind oft kleine Rückmeldungen. Wenn jemand sagt: „Der Lärm stört mich immer noch – aber ich verstehe jetzt besser, warum das passiert.“ Oder wenn sich jemand bedankt, dass ich mir Zeit genommen und individuell geantwortet habe. Diese Wertschätzung spürt man deutlich. Und sie zeigt: Es macht einen Unterschied, ob da jemand wirklich zuhört, oder ob man nur eine Standardantwort bekommt.

Und gibt es diese Momente, für die du den Job machst?

Ja, absolut. Es ist genau das, wenn der Dialog funktioniert. Wenn jemand nach einem Gespräch anders auf das Projekt schaut und ein Stück mehr Verständnis entsteht. Das reicht oft schon. Der Unterschied liegt für mich in diesen persönlichen Begegnungen: wenn ich spüre, dass sich etwas löst. Dass jemand geht und denkt: „Okay, ich wurde gehört.“ Am Ende geht es darum zu zeigen: Da ist jemand, der ansprechbar ist. Keine anonyme Hotline, kein Chatbot – sondern eine Person, die zuhört. Und genau das macht den Unterschied.

SuedOstLink: Ein Projekt in besonderer Größenordnung

Mit einer Leitungslänge von rund 540 Kilometern gehört der SuedOstLink zu den größten Netzausbauprojekten im Land und verläuft vom Netzverknüpfungspunkt Wolmirstedt bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt bis zum Standort Isar bei Landshut in Bayern. Auf diesem Weg durchquert die Trasse mehrere Bundesländer und sehr unterschiedliche Räume – von landwirtschaftlich geprägten Regionen über Mittelgebirgslandschaften bis hin zu industriellen Zentren im Süden. Genau diese Vielfalt macht Planung und Umsetzung besonders anspruchsvoll.

SuedOstLink im Überblick:

  • 540 km Trassenlänge (ca.) – vergleichbar mit der Strecke von Hamburg nach Frankfurt am Main
  • 2 Gleichstromverbindungen mit je 2.000 MW Leistung – zusammen bis zu 4 GW Transportkapazität
  • 525 Kilovolt Spannung (HGÜ-Technologie) für verlustarme Stromübertragung über große Entfernungen
  • Überwiegend als Erdkabel realisiert – über Hunderte Kilometer hinweg
  • 2 Vorhabenträger, die das Projekt gemeinsam realisieren: Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz (im Norden) und TenneT (im Süden).
  • Bau in insgesamt 9 Abschnitten – mit vielen parallel aktiven Baustellen entlang der gesamten Trasse
 

Hinzu kommt die besondere Dynamik: Während Planung und Genehmigung viele Jahre in Anspruch nehmen, wird in vergleichsweise kurzer Zeit gebaut – mit entsprechend hoher Taktung, vielen parallelen Baustellen und wechselnden Betroffenen und Betroffenheiten entlang der Strecke.

Gerade diese Kombination aus Größe, Tempo und regionaler Vielfalt macht den SuedOstLink zu einem echten Lernraum für alle Beteiligten. Denn hier zeigt sich, was es in der Praxis braucht, damit komplexe Infrastrukturprojekte umgesetzt werden können:

  • funktionierende Prozesse im Baumanagement
  • eingespielte Abläufe zwischen Planung, Bau und Kommunikation
  • und eine Kommunikation, die nicht nur informiert, sondern aktiv begleitet

Der SuedOstLink ist damit nicht nur ein technisches Großprojekt – sondern auch ein Referenzrahmen für funktionierende Zusammenarbeit.

Was wir aus dem Baudialog konkret lernen

Baudialog vor Ort bedeutet bei ifok weit mehr als klassische Projektkommunikation. Er verbindet Bau, Planung und Öffentlichkeit – und schafft eine Schnittstelle, die im Alltag funktioniert:

  • Strategische Kommunikationsberatung für das Baumanagement
  • Erste Anlaufstelle für Bürger:innen, Kommunen und Medien
  • Proaktive Ansprache, gerade bei sensiblen Bauabschnitten
  • Vorbereitung konkreter Baumaßnahmen, z. B. durch lokale Anschreiben oder Vor-Ort-Termine
  • Bearbeitung und Nachverfolgung von Fragen, Anliegen und Beschwerden
  • Unterstützung in konfliktträchtigen Situationen
  • Eigene Dialogformate wie Bürgersprechstunden, Infomärkte oder Tage der offenen Baustelle
  • Übersetzung komplexer Bauabläufe sowie das Aufgreifen von Sorgen und das Verständlichmachen von Projekten


Vor allem aber zeigt der Baudialog: Hinter dem Projekt stehen Menschen, die zuhören. Der SuedOstLink zeigt dabei die ganze Bandbreite: große Distanzen, parallele Bauabschnitte, unterschiedliche regionale Kontexte. Was hier funktioniert, ist übertragbar auf viele andere Infrastrukturprojekte. Und sollte viel häufiger gelebte Praxis sein. Für ifok ist das kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Infrastrukturkommunikation. Oder, wie Sandra Spielbrink es beschreibt: Am Ende reicht manchmal schon ein Gespräch, das eine Perspektive verändert.

Ihre Ansprechpartner:innen

Andreas Fröhlich

Business Unit Lead | E&U I Grid
  • +4962518263167
  • andreas.froehlich@ifok.de

Sandra Spielbrink

Senior Consultant | E&U I Grid
  • +493053607704
  • sandra.spielbrink@ifok.de
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